SUCHEN UND VEREINEN

Es braucht nicht nur den Willen seine Blutsverwandten kennen zu lernen, es braucht Mut, um diesen Schritt zu nehmen.

Adoptierte setzen sich mit der Frage nach ihrem "woher komme ich" früher oder später auseinander. Sie suchen Gemeinsamkeiten. Leibliche Mütter, resp. Väter, möchten Gewissheit dass es ihrem abgegebenen Kind bei der Adoptionsfamilie an nichts mangelte. Adoptiveltern geben Liebe, Hoffnung und wollen dass ihr angenommenes Kind seine Wurzeln kennt und sie setzen sich damit gemeinsam auseinander. 

ANGEHÖRIGEN SUCHE - EIN HEIKLES THEMA 

Aus eigener Erfahrung - Lisa Hilafu-Brönnimann

"Meine eigene Herkunftssuche und aus der Arbeitspraxis als Begleitperson für Betroffene, weiß ich, dass die Familienzusammenführung unendlich viel Zeit benötigt. Adoptierte, leibliche Eltern und Adoptiveltern kämpfen mit Fakten und Erzähltem. 

Was ist, wenn Mutter so gar nicht meinen Vorstellungen entspricht und die Geschwister trotz Kennenlernen fremd bleiben? Wie gehe ich mit vererbbaren Krankheiten um? Was wenn mein Kind es nicht Gut hatte? Wie gehe ich als Adoptivmutter, Adoptivvater mit der Bauchmama um? Zudem kann ein Trauma und/oder Machtlosigkeit entstehen, die einem in tiefe Abgründe ziehen. Es braucht Zeit um zu sich selber zu finden und das Neue einzuordnen. Seinen Platz neu einzuordnen. Manchmal tut man gut sich Hilfe zu holen. Ich möchte Sie ermutigen, den Weg zu gehen, denn mit der Erkenntnis ob Positiv oder Negativ, kommt die Erleichterung in den Alltag zurück und das Suchen und zu sich zu Finden hat ein Ende.

 

Nehmen Sie zur Kenntnis: 

  • Ein Adoptivkind weiß vielleicht nichts von seiner Adoption und kann mit Kenntnis darüber den Boden unter den Füssen verlieren
  • Leibliche Mütter, resp. Väter sind mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Ev. Schuld und Scham wird verstärkt, wenn Sie Kontaktanfragen erhalten
  • (Halb)-Geschwister hören zum ersten mal voneinander
  • Adoptionseltern sind sich der Loyalität ihres an Kindesstatt genommenem Kindes nicht mehr sicher und befürchten es an die leibliche Mutter zu verlieren
  • Eine Ablehnung muss respektiert werden. Heute ein NEIN kann morgen ein JA sein. Geben Sie sich und ihren Angehörigen Zeit.

Es ist normal das Erwartungen, Freude, Zweifel, Abneigung und Schuldgefühle den Suchprozess begleiten. Was viele Suchende aus dem Gleichgewicht werfen kann und manchmal möchte man sich dabei mit Gleichgesinnten austauschen, anstatt sich von Fachleuten analysieren zu lassen. Wenden Sie sich an eine der Adoptions-Selbsthilhegruppe in ihrer nähe. 


LEIBLICHE ELTERN SUCHEN DICH

Der Bundesrat hat am 5. November 2016 eine Lockerung des Adoptionsgeheimnisses vorgeschlagen, das am 1. Januar 2018 in Kraft trat. Dies entspricht dem Standard, der heutzutage in vielen Ländern Europas zu finden ist.

Der Artikel 268b Abs. 2 E-ZGB besagt:

Den leiblichen Eltern soll es in Zukunft ermöglicht werden, ab dem Zeitpunkt der Volljährigkeit und mit Zustimmung des Adoptivkindes Informationen über seine Personalien zu erhalten.

Auch hier gilt, lehnt das Kind den persönlichen Kontakt ab, so ist die leibliche Mutter, resp. der leibliche Vater darüber zu  informieren und auf die Persönlichkeitsrechte des Kindes aufmerksam zu machen. 


GESCHWISTER, HALBGESCHWISTER SUCHEN DICH

Art. 268b Abs. 3 E-ZGB - Zusätzlich soll nach neuem Recht auch den direkten Nachkommen der leiblichen Eltern dieses Recht zukommen.


ADOPTIVELTERN UNTERSTÜTZEN DICH BEI DER SUCHE

Neu kann ein Williges Adoptionspaar auf eine offene Adoption beharren. Das heißt, dass unter Umständen die leibliche Mutter, respektive der leibliche Vater bekannt sind und auf Wunsch aller Beteiligten ein Kontakt besteht.


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Aktualisiert am 5. Juni 2017